Spendenaufruf für das neue Referat im Exil – bitte weiter verbreiten!

Feminismus überlebt jeden AStA ! ! !

Spendenaufruf für ein neues Frauenreferat* an der Uni HH / Anti-Repression

Wir sind eine Gruppe Frauen, die an der Universität Hamburg ein neues Frauenreferat aufbauen, da der JuSo dominierte AStA das Frauen+Lesben+Trans-Referat im Juni 2008 abgeschafft hat. Wir aber lassen uns nicht einfach wegkürzen, wie auch Sexismus sich leider nicht wegkürzen lässt. Denn gerade in Deutschland trifft dieser im Vergleich zu anderen westlichen Industriestaaten besonders hart: Der Lohnunterschied beträgt durchschnittlich 23%, bei den Mini und Midijobs beträgt der Frauenanteil in Hamburg 81 %. Ca. 70 % aller erwachsenen Frauen können ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Erwerbsarbeit sichern.
Auch die Uni bildet da leider keine Ausnahme, denn obwohl der Anteil der Studentinnen in Hamburg 54% beträgt, sind nur 14% aller Profs weiblich und dieser Anteil wuchs in den letzten 10 Jahren nur um 3% (ein Tempo, bei dem der Professorinnenanteil in 100 Jahren immer noch nur 44% betragen würde). Gleichstellungspolitik kann all dem zwar etwas entgegensetzen, reicht aber alleine nicht aus. Es muss einen Frauenraum geben und eine selbstorganisierte feministische Struktur, wie das Frauenreferat, das wir schaffen. Frauen müssen (und das gilt für alle anderen gesellschaftlich diskriminierten Gruppen ebenso) die Möglichkeit haben, selbst herauszufinden, wer sie sind, was sie wollen, wie sie ihre Ziele erreichen können und mit wem sie wie zusammenarbeiten wollen. Die Unterschiede zwischen Frauen dürfen dabei nicht außer Acht gelassen werden. Deswegen sind selbstorganisierte Gruppen unverzichtbar: hier ist es möglich, sich individuell für gemeinsame Ziele einzusetzen. Wenn wir wirklich wollen, dass allen Menschen mit gleich viel Achtung und Respekt begegnet wird, dann brauchen wir ein ganz anderes Ganzes. Das will der JuSo dominierte AStA nicht. Nur durch Druck bietet er nun einige Gleichstellungsangebote an.

Um einen Neuanfang selbstbestimmter feministischer Politik auf dem Campus zu schaffen, stellen wir uns als Basis folgendes vor:

- Einen Raum, der für alle Frauen offen ist
- Ein Frauencafé
- Feministische Bildung und Diskussionen
- Computerberatung, Rechtsberatung und psychologische Beratung
- Zusammenarbeit mit anderen feministischen Gruppen

Unsere Idee ist ein Frauenraum in Form eines Bauwagens, gut sichtbar auf dem Campus. Dafür benötigen wir Gelder für den Bauwagen (leihweise), einen Telefonanschluss und Sachspenden: internetfähigen Com¬puter/Laptop, Drucker/ Kopierer, DVD-Player/TV-Gerät/Beamer, eine doppelte E-Herdplatte, Toaster, Elek¬tro-/Gas-Heizungen. Wir würden uns auch sehr freuen, ein Auto oder Lastenfahrrad für Waren¬trans¬porte und Demos etc. zur Verfügung gestellt zu bekommen.
Die eingenommenen Geldspenden gehen bis zur Hälfte an die Antirepressionsarbeit, da der alte AStA mehrere Menschen angezeigt hat, die sich für teilautonome Referate und den Fortbestand des ehemaligen Frauen+Lesben+Trans-Referates eingesetzt haben. Mehr Infos: http://frauenlesbentransrat.blogsport.de/

Wir hoffen auf zahlreiche Spenden und Unterstützung von Euch, damit wir weiter an einer gleichberechtigten Gesellschaft arbeiten können, denn gerade das Überleben des Feminismus an der Uni trägt stark dazu bei und dieser wird insbesondere durch selbstständige Mitarbeit von Frauen gefördert. Die Vorgehensweise des AStA dagegen wirft uns fast zurück in Zeiten, in denen Frauen bei Bankinstituten noch nicht einmal ein eigenes Konto eröffnen durften, da nach der jetzigen Regelung für jedes einzelne Anliegen ein Antrag gestellt werden muss. Wo sollten Frauen eigenständig Handeln, Agieren, Protest und Widerstand gegen bestehende gesellschaftliche Ver¬hält¬nisse leisten, wenn es noch nicht mal hier an der Uni möglich ist?!

Wir bitten, Geldspenden auf unten genanntes Konto zu überweisen und für Sachspenden Kontakt über folgende Mailadresse aufzunehmen: TomatenAufDenJuSoAStA@gmx.de

Kontoinhaber: Intervention e.V.
Konto Nr.: 411 48 300
BLZ: 430 609 67 (GLS – Gemeinschaftsbank)
Verwendungszweck (wichtig! sonst kommt das Geld nicht an): Frauenreferat

Für ein selbstbestimmtes Frauenreferat!

Wir bestehen selbstverständlich auch weiterhin darauf, ein selbstbestimmtes Frauenreferat im AStA-Trakt zu haben und auf unser Recht als Studentinnen (durch unseren 9,-€ Beitrag an den AStA) uns über die Vollversammlungen so vertreten zu lassen, wie wir es beschließen. Wir lassen uns nicht mit einer Gleich¬stellungs¬politik einer vergänglichen AStA-Regierung als “Trostpreis” abspeisen. Denn das Frauen¬referat war der Gleichstellungspolitik nie ein Hindernis, sie hätten diese längst betreiben können. Die Abschaffung des Referats zeigt nur, wie wenig ihre Gleichstellungspolitik dazu beitragen kann, die Gleichberechtigung von Frauen zu fördern. Im Gegenteil, denn der erste Vorsitzende beklagte bei einer Podiumsdiskussion, dass ja in letzter Zeit im Referat nur noch Lesbenpolitik betrieben worden sei, womit er versucht, den Keil zwischen heterosexuellen und lesbischen Frauen zu vergrößern und uns weiter zu spalten. Diese Art “Gleichstellungs¬politik” ist ein sexistischer und heterosexistischer Akt, und typisch für einen AStA, dessen wichtigste Positionen männlich besetzt sind, wie 1. und 2. Vorsitzender und Finanzreferent.

Das Angebot des AStAs “Jeden Antrag für Frauenpolitische Gruppen” zu unterstützen, lehnen wir ab, denn damit würden wir ihrem Vorgehen zustimmen. Wir ziehen es statt¬dessen vor, ihre Herrschaftspolitik immer wieder anzuprangern.

Dass wir in der Hinsicht auch schon viel Erfolg hatten (54 % Studentinnenanteil sind eben nicht so leicht zu manipulieren), hat sich auch im Januar in den Stimmverlusten bei den StuPa-Wahlen insbesondere für die JuSos gezeigt. Denn ihre Gleichstellungspoltik ist eine Farce, wie auch die momentane Situation der anderen teilautonomen Referate: Solange dort immer eine Politik betrieben wird, die nicht gegen die AStA-Linie spricht, können sie bestehen und sonst werden Referentinnen/Referenten abernannt oder Wahlen gar nicht erst akzeptiert (betrifft zur Zeit speziell das Ausländerreferat). Falls irgendwann ein anderer AStA gewählt werden sollte, der nicht mal Gleichstellungspolitik angehen will (falls der jetzige es überhaupt je wirklich tat, denn z.B. hat er auch meist reguläre Veranstaltungen als spezielle Angebote einer Frauenwoche verkauft), wird es überhaupt keine Unterstützung für die Gleichberechtigung von Frauen mehr geben. Dies zeugt nur von einer Geringschätzung der Thematik der Gleichberechtigung der Frau und ist in keinsterweise als eine verantwortungsvolle Gleichstellungspolitik zu erkennen. Selbst unter einem rein durch Frauen besetzten AStA wäre ein selbständiges Frauenreferat unverzichtbar, denn dieses diente dazu, das Interesse an der Frauenpolitik zu wecken und Engagement leichter zu ermöglichen. Außerdem wird dort basis¬demokratisch gearbeitet und nicht repräsentativ, d.h., gewählte Vertreterinnen würden nicht über andere Frauenköpfe hinweg entscheiden.

In Wahrheit geht es dem AStA nur darum, dass in den Referaten der benachteiligten Gruppen keine Politik geführt wird, die sich ihrer entgegen stellt und sie somit außerparlamentarische Opposition regelrecht “verbieten”. Das ist die Logik in sich, weil herrschende Verhältnisse Menschen unterdrücken, wann immer diese sich selbst organisieren und Widerstand leisten. Dann führen die Herrschenden alle Macht¬geschütze auf, um dies zu verhindern. Ein juristisch verankertes Referat hätten sie genauso leicht, wenn nicht gar einfacher, abschaffen können, denn vom AStA abhängige Referate fördern nicht gerade das Selbst¬bewusst¬sein einer diskriminierten Gruppe und es hätte kaum den Protest dagegen gegeben, den es jetzt weiterhin gibt.

Wehrt euch! Gegen das alltägliche Unerträgliche!

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*zurzeit gibt es zum Namen folgenden Vorschlag: „Internationales FrauenLesbenInterTrans Referat“. Diesen möchten wir auch in Türkisch und Englisch erwähnen. Bei der kommenden Vollversammlung am 16.4.09 möchten wir diesen und andere Namensvorschläge diskutieren und uns auf einen Namen festlegen.